D’Ette NOGLE
Let it R.I.P.
Der Kunstverein Braunschweig freut sich, mit Let it R.I.P. die erste institutionelle Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin D’ETTE NOGLE (*1974, La Mirada, lebt und arbeitet in Los Angeles) in Europa zu präsentieren. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Kunstvereins sind sämtliche Ausstellungsräume einer einzelnen künstlerischen Position gewidmet. Die Ausstellung versammelt nahezu ausschließlich Neuproduktionen, darunter raumgreifende Installationen sowie eine neue Videoarbeit.
Ausgehend von der Geschichte des Kunstvereins, ihren Begegnungen mit der Stadt und einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Herkunftsland, den USA, entwickelt Nogle Arbeiten, die zeitliche, materielle und ideologische Schichten verschiedener Orte miteinander verschränken. Seit den 1990er-Jahren entwickelt die Künstlerin eine zeitbasierte Praxis, die soziale, politische, kulturelle und ökonomische Kräfte und deren Wechselwirkungen untersucht. Ihre Arbeiten fragen danach, wie historische Prägungen Denken und Wahrnehmung formen, was ein Subjekt konstituiert und was künstlerische Autonomie bedeutet. Die Einladung einer Kunstinstitution, eine Ausstellung zu realisieren, bildet dabei für Nogle den elementaren Ausgangspunkt neuer Arbeiten: Recherche vor Ort, Gespräche, vorhandene Materialien, aber auch der Zeitpunkt der Einladung fließen unmittelbar in die Oberflächen und Inhalte der Ausstellung ein.
Anlässlich des 250-jährigen Bestehens der USA in diesem Jahr, die seit dem Unterzeichnen der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776 eine der ältesten Demokratien bilden, greift die Ausstellung die Idee von Partys auf. Im Englischen bezeichnet das Wort Party zwei Dinge: sowohl ein Fest als auch eine politische Partei. Diese Doppeldeutigkeit produktiv machend, fokussiert sich Let it R.I.P. auf lust- und exzess-orientierte Momente von Partys. In körperlich erfahrbaren Installationen konfrontiert Nogle gemeinschaftliches Zusammenkommen, Symbole der Zugehörigkeit und Konsum (von Genussmitteln sowie Waren) mit einer spannungsgeladenen Atmosphäre aus Weltuntergangsprognosen. Die Ausstellung stellt dabei elementare Fragen nach den oft widersprüchlichen menschlichen Impulsen zwischen der konstanten Suche nach Befriedigung und dem ebenso menschlichen Hang zur Selbstzerstörung. Die kritische Auseinandersetzung mit den USA als global agierender, moralischer, politischer und kultureller Taktgeber zieht sich dabei als roter Faden durch die Ausstellung.
Die konsequente Einbindung von Elementen aus Nogles Leben sowie von Materialien und Konsumgütern des Alltags in die Ausstellung stellen dabei eine Möglichkeit dar, sich in größeren politischen und kulturellen Narrativen zu verorten. Die Ausstellungsräume erscheinen so als collageartige Szenen äußerer wie innerer Spannungen – als Situationen, in denen sich Persönliches und Gesellschaftliches überlagern. Die Arbeiten hinterfragen die Idee von Abgeschlossenheit und setzen Vergangenes in Beziehung zur Gegenwart. Dabei sind sie stets auf Relation angelegt: Sie begreifen die Besucher*innen als Teil ihres Gefüges und suggerieren eine Positionierung – körperlich wie mental. Let it R.I.P. lädt dazu ein, sich durch diese aufgeladenen Räume zu bewegen und sich mit den Widersprüchen auseinanderzusetzen, die unser heutiges Leben prägen.
Kuratiert von Junia Thiede
Gefördert durch Stiftung Niedersachsen, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Volkswagen Financial Services AG, Stadt Braunschweig – Fachbereich Kultur und Wissenschaft